KW-Transceiver für den Bordgebrauch

„Will ich mein Hobby Amateurfunk auch an Bord meines Schiffes ausüben oder dient mir der Amateurfunk lediglich dazu über Mails die Verbindung zur Heimat zu halten und ab und zu mal ein paar Skeds mit befreundeten Yachten zu haben?“ ist eine Frage, die bei der Auswahl des Gerätes und vor allem dessen Einbau an Bord eine wichtige Rolle spielt. Für Anforderungen an die Bedienfreundlichkeit ist ein gewaltiger Unterschied ob ich täglich mehrere Stunden das Band nach interessanten Stationen absuche oder durch Tastendruck bzw. Fernsteuerung lediglich einen Funkkanal einstelle über den ich meine Mails absetze. Die meisten Segler dürften zur zweiten Gruppe gehören, weshalb ich bevorzugt diese ansprechen möchte. Die eingefleischten Funkamateure haben sowieso eigene Vorstellungen von ihrer Funkausrüstung.

Außer für Mails und Skeds eignen die KW-Transceiver auch hervorragend zum Hören von Rundfunk und Wetteraussendungen. Ihre Empfangsleistung überragt die sogenannter Weltempfänger bei weitem. Wo diese nur kaum Verständliches von sich geben haben semiprofessionelle Transceiver, wie wir sie verwenden, nicht zuletzt dank einer guten Antenne, ein klares Signal, was nah an den von zu Hause gewohnten Rundfunk heran reicht. Um so bedauerlicher ist es, dass die Deutsche Welle ihren KW-Dienst kürzlich eingestellt hat.

 
ICOM IC 718
 
ICOM IC 706
 
 Kenwood TS 50
 
 YAESU FT 857

Für welches Gerät man sich entscheidet ist weitgehend Geschmackssache. Grundsätzlich sind alle SSB-Transceiver, die direkt an ein 12 V DC-Netz anschließbar sind, geeignet. Eigner von Yachten mit 24 V haben schlechte Karten. Für sie gibt es nur wenig Auswahl im teuren Seefunkbereich. In erster Linie sollte einem die Bedienoberfläche sympathisch sein. Eine Frequenzanzeige mit 10 Hz-Auflösung ist sicher ebenso sinnvoll wie eine Fernsteuerungsmöglichkeit, wenn Pactorbetrieb vorgesehen ist. Außerdem machen viele Speicherplätze, auf denen man Frequenz und Betriebsart hinterlegen kann, Sinn. Sie ermöglichen den im Bordalltag üblichen Kanalbetrieb. Die Bedeutung der Sendeleistung wird dagegen oft überschätzt. Wenn man bedenkt, dass man um bei der Gegenstation doppelt so laut (1 S-Stufe = 6 dB*) anzukommen, die Sendeleistung vervierfachen muss, stehen Aufwand und Ergebnis oft in keinem Verhältnis. Mit Fehlern bei der Antenne macht man regelmäßig mehr kaputt als man mit Sendeleistung jemals wieder gut machen kann. Mit 100 W Spitzenleistung bei SSB und 25-30 W bei Pactorbetrieb ist man gut bedient. Das können alle üblichen Transceiver. Alles was darüber hinaus geht, macht die Geräte unnötig teuer und verschwendet aufwendig erzeugten Bordstrom. Dies ist besonders unter dem Aspekt zu beachten, dass der Wirkungsgrad einer Senderendstufe prinzipiell 50% nicht übersteigen kann. (* Was ist ein dB?)

Neben der Bedienoberfläche würde ich mich bei der Wahl des Gerätes vor allem von den Einbaumöglichkeiten an Bord leiten lassen. Diese sind individuell sehr verschieden, so dass man kaum irgendwelche Vorgaben machen kann. Verkehrt machen kann man kaum etwas, wenn man beachtet genügend dicke Leitungen für die Stromversorgung zu verwenden. Normalerweise werden diese  mitgeliefert und sind immer ausreichend dimensioniert, wenn man sie nicht verlängert (kürzen darf man selbstverständlich) und direkt an eine Batterie anschließt. Das sollte man allerdings nicht tun, sondern die Leitungen so weit wie möglich kürzen und auf eine eigene 30 A-Sicherung in der Hauptverteilung legen. Werden keine Leitungen mitgeliefert, kann man mit 4 oder 6 mm2 bei max. 3 m Länge nicht viel falsch machen.

 

Kenwood TS 50 am Navigationsplatz bei

DM7AH/mm

YAESU FT 890 in einem Schapp eingebaut bei

DK4FD/mm

Der Markt für KW-Amateurfunkgeräte ist überschaubar und wird von japanischen Firmen (Icom, Kenwood, Yaesu) dominiert. Mit bewährten "Arbeitspferden" wie dem Icom IC 718 oder dem TS 50 von Kenwood trifft man sicher keine schlechte Wahl. Bei Platzproblemen sind vielleicht das IC 706 von Icom mit seinem getrennt einbaubaren Bedienteil oder das sehr kompakte Yaesu FT 857 eine Lösung. Keinesfalls würde ich ein teures Spitzenmodell wählen. Solche Geräte sind sicher noch ein bisschen leistungsfähiger aber man muss mit den vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten auch hervorragend umgehen können. Gerade auf See hat man schnell mal einen Regler einen Hauch daneben eingestellt und erreicht dadurch nur noch Werte unter denen eines einfacheren Modells, bei dem standardmäßig ein Mittelwert eingestellt ist. Lange Rede, kurzer Sinn: Vor einer Entscheidung würde ich mir für die Geräte meiner engeren Wahl die Bedienungsanleitungen aus dem Internet herunter laden. Darin findet man alle Daten, kann prüfen ob einem die Bedienoberfläche gefällt und ob der vorgesehene Einbau an Bord möglich ist. Das muss nicht unbedingt am Navigationsplatz sein, denn zu Bedienen gibt es nicht viel.

  Beim ICOM IC 718 muss nur eine Diode
  entfernt werden um den
Sender auf allen
  Frequenzen betreiben zu können.

Frequenzerweiterung des Senders

In der Standardausführung haben alle AFU-Transceiver zwar einen durchgehenden Empfänger aber der Sender kann nur innerhalb der Amateurbänder betrieben werden. In Seglerkreisen taucht immer wieder der Wunsch auf diese Blockade aufzuheben, um den Sender auch außerhalb der AFU-Frequenzen betreiben zu können. Bei den meisten Geräten ist das technisch kein Problem und, da es sich um ein Amateurfunkgerät handelt, auch zulässig. Der Sendebetrieb im erweiterten Bereich ist zumindest nach deutschen Recht selbstverständlich nicht erlaubt. Zu bedenken ist allerdings, dass durch einen solchen Eingriff oft die Garantie des Herstellers erlischt. Bei einem Neukauf sollte man ihn deshalb gleich durch den Händler vornehmen lassen. Darüber hinaus ist zu beachten, dass die vom Hersteller spezifizierten Daten nicht für diese neuen Bereiche gelten. Eventuell sind also Einschränkungen hinzunehmen. Informationen über solche und andere Modifikationen findet man leicht (z.B. www.mods.dk) im Internet. Wie immer ist dabei zu beachten, dass im IN auch sehr viel Unsinn verbreitet wird. Umbauanleitungen aus unsicherer Quelle funktionieren oft, aber eben nicht immer.

 

Einbau eines Pactorcontrollers

Bei weitem nicht alle in einschlägigen Publikationen vorgeschlagenen Modifikationen für Amateurfunkgeräte machen Sinn. Den Pactorcontroller mit in das Gehäuse des Transceivers zu integrieren halte ich auf jeden Fall für eine gute Idee. SCS liefert dafür extra die reine Platinenversion PTCTRX. Da jeder Transceiver etwas anders ist, ist der Einbau nicht ganz trivial. Man sollte schon wissen was man tut oder die Sache gleich einem Fachmann überlassen. Als Lohn der Mühe erhält man anschließend ein Gerät, welches zumindest im Pactorbetrieb vollkommen im Hintergrund verschwinden kann und nicht mehr angefasst werden muss. Die Kommunikation mit dem Laptop erfolgt über Bluetooth, so dass auch Störungen des PCs durch HF, wie sie bei Leitungsverbindungen häufig sind, so gut wie ausgeschlossen werden können. Stände ich heute noch einmal vor einer Neuanschaffung, würde ich(!) diesen Weg gehen.

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